Buch: „Milia auf Kreta“ von Nicolas Lahovnik



Milia auf Kreta - Nicolas Lahovnik Soeben neu erschienen bei der “Books on Demand GmbH” ist das Büchlein MILIA AUF KRETA: Ein vergessenes Dorf - aus dem Dornröschenschlaf zum Öko-Tourismus von Nicolas Lahovnik. Für neue Kreta-Bücher bin ich ja immer zu haben, das fachliche Interesse in diesem Fall war aber nur nachrangig. Denn das Buch wurde schon vor der Veröffentlichung in fast allen deutschsprachigen Kreta-Foren intensiv und spam-artig beworben, so dass bei mir auch deshalb eine gewisse, zusätzliche Neugier geweckt wurde.

Milia kann prinzipiell ein ergiebiges Thema sein, handelt es sich doch um ein kretisches Dorf im Westen der Insel, welches nach Landflucht und Zerfall weitestgehend naturgetreu und naturnah wieder hergerichtet wurde, umgebaut in eine Art Hotelbetrieb für eine gut zahlende Klientel.

Der Schüler Nicolas Lahovnik hat nun einen vierwöchigen Aufenthalt dazu genutzt, eine Oberstufen-Projektarbeit für seinen Geographiekurs über eben dieses Milia zu erstellen; das Ergebnis wurde dann offensichtlich in einer Art Zweitverwertung zu diesem Buch umgearbeitet, was man ihm von Stil, Art und Umfang auch anmerkt.

Das winzige Werk (Format 19cm x 12cm) mit gerade mal 64 Seiten, davon knapp 20 Seiten Bilder, Tabellen oder Deck- bzw. Trennblätter, und geradezu riesiger Schrift mit 1 1/2 Zeilen Zeilenabstand bietet Lesestoff für knapp 20 Minuten, ich habe auf die Uhr geschaut.

Neben Vorwort, Einleitung und Epilog bleibt nur noch wenig Raum für Inhalte, hauptsächlich werden Geographie, Geschichte, Wiederaufbau und Betrieb des Ortes als Hotelbetrieb jeweils mehr angerissen als detailliert beschrieben; es finden sich wenig echte Fakten, der ganze Text wirkt auf den Leser eher wie aus einer Hochglanz-Werbebroschüre eines Tourismus-Unternehmens für Kreta und speziell Milia entnommen. Ein kritisches Hinterfragen der Ziele, Umstände und Auswirkungen des Projektes fehlt völlig.

Folgendes Zitat aus dem Epilog erklärt das vielleicht etwas näher und stimmt zumindest mich etwas versöhnlich:

“Dass ich all dies er-leben und er-fahren durfte, verdanke ich eigentlich meinen Eltern, denn sie waren es, die mir von Kindesbeinen an die kretische Kultur gezeigt haben.[…] Ich bin mir sicher, sie hatten bereits während meiner pränatalen Phase auf der Insel das kretische Feuer in mir entfacht.”

Wer Kreta liebt, verklärt oft einiges, man kennt das ja selbst…

Alles in allem ist das Buch aber mit 9,90 EUR Ladenpreis für das Gebotene schlicht zu teuer, es bietet kaum Informationen, die nicht auch direkt im Internet zugänglich wären, gleichzeitig ist es auch von der Aufmachung und den Fotos nicht so überzeugend, dass alleine dadurch der Preis gerechtfertigt wäre.

Mein Fazit: Man kann es mal lesen; hätte ich es aber selbst gekauft, hätte ich mich dann doch geärgert…

Milia im Internet: http://www.milia.gr/german.html

Anschließend ruhig auch ein bisschen googlen, es finden sich dann auch noch weitere Informationen wie Reiseberichte.

Hinweis: Das vorliegende Buch wurde mir vom Verlag, der Books on Demand GmbH, als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür.

Anmerkung für die anonymen Rezensenten bei amazon.de, buecher.de usw:

Grundsätzlich finde ich es natürlich toll, wenn meine Texte soviel Anklang finden, dass sie inhaltlich fast identisch auf anderen Portalen wiedergegeben werden.  Allerdings sollte man auch aus Achtung vor dem Autor dem rezensierten Buch zumindest soviel Aufmerksamkeit schenken, dass man zu einer eigenen Kritik fähig ist.

Auch sollte man dann namentlich zu seiner Kritik stehen und nicht irgendwelche Pseudonyme wie Kläuschen aus Köln wählen... Es gibt zwar einige, die diese Anspielung verstehen werden, aber eine solche Art von halbanonymer Veröffentlichung haben weder der dort offensichtlich Gemeinte noch andere Kretakenner nötig.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Manchmal frage ich mich, warum gerade Kreta für Profilneurotiker so anziehend ist. Da wird nach einem Kurzurlaub auf der Insel akribisch im Netz darüber berichtet, was man alles gesehen, wiedergesehen und neu gesehen hat. Was früher da war und was nicht da war. Da wird jede gekaufte Flasche Kakao und jedes getrunkene Mythos aufgezählt. Da werden Krimis geschrieben undsoweiter undsofort.

    Und jetzt ein Schüler, der uns nach einmonatigem Aufenthalt in Milia ein Büchlein beschert, das sowohl an Umfang als auch an Inhalt sehr zu wünschen übrig lässt.

    Die hier bereits veröffentliche Kritik sagt eigentlich schon alles, was man über das Buch wissen muss um es nicht zu kaufen. Hinzuzufügen wäre nur noch ein Hinweis auf häufig verunglückte Sprachbilder, bei denen der Leser sich entscheiden muss ob er belustigt oder verärgert ist.

    Als Schulaufsatz mag der Text ja noch durchgehen, als Buch für 9,90 Euro eindeutig nicht.

  2. Nachdem ich hier diese, meiner Meinung nach zutreffenden, Kritiken gelesen habe, bin ich doch etwas verwundert darüber, dass der Autor anscheiend mindestens einen begeisterten, um nicht zu sagen fanatischen Fan hat.

    Dieser Fan geistert schon seit ein paar Tagen durch die meisten Kreta- bzw. Griechenlandforen und beleidigt jeden, der auch nur den leisesesten Hauch einer Kritik an dem sogenannten Buch äußert.

    Anscheinend hat er sich dabei auf den Namen Heinz eingeschossen, denn in einem wüsten Rundumschlag bezeichnet er alle Kritiker als Kreta-Heinze, auch, so hat er es selbst geschrieben, wenn sie Klaus heißen.

    Ob dieser Fan dem Autor einen Gefallen damit tut, ist allerdings fraglich. Ein Buchempfehlunge von einem Menschen, der sich auf einem derart niedrigen Niveau bewegt, ist keine Empfehlung sondern ziemlich genau das Gegenteil davon.

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