Pauschal? Individual? Eine persönliche Geschichte

Abzweig nach Kalamaki...
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Kalamaki, ca. 2005, im Abendlicht

Kalamaki, ca. 2005, im Abendlicht

Jetzt, in den Zeiten nach der Thomas-Cook-Pleite, fragt sich sicherlich der eine oder andere Urlauber, wie es um die Sicherheit seiner Reise und des gezahlten Reisepreises steht.

Bei näherer Betrachtung stellt man fest, dass es eigentlich gar keine wirkliche Sicherheit mehr gibt. Bucht man individuell und die Airline geht pleite, ist das Geld weg. Aber auch die großen Reiseveranstalter bieten nur eine trügerische Sicherheit. Wenn der größte europäische Reiseveranstalter, die TUI, pleite ginge, wären mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht alle Kunden durch den Reisesicherungsschein vollständig abgesichert. Dazu wäre eine Summe nötig, die ähnlich dem kompletten Haushalt eines Kleinstaates wäre.

Also, warum nicht auch mal über eine individuelle Buchung nachdenken? Zusätzlich zu den Vorteilen, die man selbst genießt, kommt das Geld auch den Leuten vor Ort direkt zugute und fließt nicht über große Holdings und Aktiengesellschaften in ein Steuerparadies in der Karibik ab.

Sonnenuntergänge in Kalamaki, auch vor etlichen Jahren schon schön ;-)

Sonnenuntergänge in Kalamaki, auch vor etlichen Jahren schon schön ;-)

Unsere eigene Geschichte

Ich erzähle mal, wie bei uns alles angefangen hat mit dem Individualtourismus.

Früher haben wir auch immer in 4- oder 5-Sterne-Hotels Urlaub gemacht. Dazu muss man sagen, dass ich von Mitte der 1980er bis ungefähr ins Jahr 2002 als gelernte Reiseverkehrskauffrau in der Touristik gearbeitet habe. Zumindest früher, heute aber wahrscheinlich auch, gab es Hotelketten, die den Expedienten (das ist der Name für Reiseverkehrskaufleute) für die Buchungen in ihren Hotels Punkte gutgeschrieben haben.

Diese Punkte konnte man dann in kostenlose Übernachtungen in den Hotels der Ketten tauschen. So hatte man einen mehrfachen Anreiz, diese Urlaube in den Hotelketten an den Mann/die Frau zu bringen. Die Buchungen waren oft recht hochpreisig, so dass der Chef glücklich war und der Arbeitsplatz gesichert. Generell lieben Reisebürochefs teure Buchungen, wie das bei All-inclusive ja automatisch der Fall ist.

Die Kunden waren zumeist auch hochzufrieden, da die Ketten einen hohen Standard in der Unterbringung und Betreuung der Gäste gewährleisteten. Also eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Zudem die Punkte. Ihr könnt euch vorstellen, wo wir meistens Urlaub gemacht haben. Aber auch ohne Punkte ist man es als Expedient meistens gewohnt, Urlaub in großen Hotelanlagen zu machen, da es hier oft gute Angebote zum Kennenlernen der Hotels gibt. Auch lernt man auf den Inforeisen in die Zielgebiete nichts anderes kennen. Wir kannten es selbst also erst einmal nicht anders, als unseren Urlaub in einem Hotelkomplex mit allen Annehmlichkeiten, aber auch Nachteilen, die solche großen Anlagen haben, zu verbringen.

Das Reisebüro, in dem ich lange Jahre gearbeitet habe, hat des öfteren Gruppenreisen nach Griechenland organisiert, wo die Gäste dann in den Hotels der bekannten Hotelgruppe Grecotel untergebracht waren. Aus den Schilderungen der Gäste kannte ich die Hotels dann sehr gut und hatte mir immer gewünscht, mal einen Urlaub im Rythymna Beach in Rethymnon verbringen (nachdem unsere Hochzeitsreise ins damalige Grecotel auf Rhodos so ein Traum war).

In den Herbstferien 2002 war es dann so weit. Damals steckte das Internet noch ziemlich in den Kinderschuhen und es war längst noch nicht selbstverständlich, so einfach wie heute an alle möglichen Informationen zu kommen.

So standen sich folgende Alternativen gegenüber: eine Juniorsuite im Grecotel zum damaligen Endkundenpreis von ca. 70€ inclusive Halbpension (unser Sohn bekam 100% Kinderermäßigung) und das Angebot in einer kleinen Pension an der libyschen See, wo eine Art Familienzimmer ohne Verpflegung für ca. 40€ angeboten wurde.

Eines der ersten Kalamaki-Bilder in unserer Sammlung: Reiseschwein Norbert in der Taverne

Eines der ersten Kalamaki-Bilder in unserer Sammlung: Reiseschwein Norbert in der Taverne

Der Beschreibung nach läge die Pension am Ortsrand auf einem Hügel, vom dem aus man im Bikini ins Meer laufen könne. Das hörte sich aus meiner damaligen Sicht alles irgendwie unzivilisiert und wenig erstrebenswert an. Dann noch die Beschreibung des Ortes im Reiseführer, die auch nicht gerade wohlwollend war. Dort stand damals sinngemäß, Kalamaki sei ein abgelegenes Kaff, mit einer sandverwehten Strandstraße, garniert von Bauruinen und Betonskeletten. Immerhin war die Zufahrtsstraße mittlerweile asphaltiert. Die Inhaberin der Pension stellte ich mir als eine lila Latzhosen tragende Dame vor. Selten habe ich mich so geirrt, aber dazu später mehr.

Nach ein bisschen Abwägen, Grecotel gegen die große Unbekannte Kalamaki, ist es dann so gekommen, dass wir einen Urlaub im damaligen Grecotel Rythymna Beach gebucht haben. Die große, aber relativ weitläufige Anlage hatte damals um die 500 Zimmer, die aber wegen der Herbstferien in mehreren Bundesländern mit insgesamt 1500 Personen belegt war.

Das muss man erstmal verarbeiten, mit wieviel Leuten gleichzeitig man seine Mahlzeiten einnimmt. Auch wenn die Speisen von sehr guter Qualität waren und die Buffets so aufgebaut waren, dass keine Wartezeiten entstanden, war es immer wuselig voll in dem riesigen Raum und der Geräuschpegel ähnelte dem in einer Bahnhofshalle. Überhaupt nicht unser Ding. Auch damals schon hatten wir für die gesamte Reisedauer einen Mietwagen, mit dem wir viele schöne Ausflüge unternommen haben. Im Oktober war das Wetter an der Nordküste schon relativ durchwachsen. Wir haben aber schnell herausgefunden, dass es im Süden viel wärmer und sonniger war. Deshalb sind wir zum Baden, was uns damals noch wichtig war, mehrmals nach Plakias gefahren. Dort hat es uns viel besser gefallen als in Adelianos Kampos, wo sich unser Grecotel befand. Plakias war wesentlich kleiner und überschaubarer und längst nicht so mit riesigen Touristentavernen und Souvenirshops zugepflastert, wie der Vorort von Rethymnon, indem unser Hotel stand.

Abzweig nach Kalamaki...

Abzweig nach Kalamaki… Frühjahr 2004

Am letzten Urlaubstag wollten wir uns dann ansehen, was wir verpasst haben, und sind nach Kalamaki gefahren. Abenteuerliches Detail am Rande: auf dem Weg dorthin, es war ein Freitag, wären wir fast im Wochenmarkt von Tymbaki stecken geblieben. Der fand damals noch auf der Durchgangsstraße statt. Endlich angekommen, waren wir sofort verliebt. Von Anfang an haben wir die paar Betonskelette und Rohbauten kaum wahrgenommen und nur einen niedlichen, überschaubaren kleinen Badeort am Wasser gesehen.

Beim Bummel über die Strandpromenade sind wir mit einem Tavernenwirt ins Gespräch gekommen, der uns gleich angeboten hat, seine Strandliegen und Schirme kostenlos zu nutzen. Wir aber wollten nach einer kleinen Pause weiter, uns Matala anschauen und sind also wieder los. Matala hat uns auch damals schon überhaupt nicht angesprochen. Es war ein warmer Tag und die Luft stand schwül in der Bucht. Auch den Strand fanden wir eher ausbaufähig. Und für die großen Souvenirshops und Tavernen hätten wir auch in Adelianos Kampos bleiben können.

Also nichts wie weg und zurück nach Kalamaki. Lecker in der netten Taverne Mittag gegessen und dabei sofort mit anderen Gästen ins Gespräch gekommen. Das Essen war so günstig, dass wir für unseren Urlaub im Endeffekt nicht mehr bezahlt hätten als im Grecotel, gerade wenn man auch die Preise für die Getränke, die ja in einer Halbpension auch nicht enthalten sind, mit einrechnet. Dafür hat man dann sein Essen ganz für sich selbst und frisch gekocht, direkt am Meer und muss sich nicht mit festen Essenszeiten in einem überfüllten Buffetrestaurant herumschlagen.

Erster Kalamaki-Urlaub - Die Autorin beim Frappe auf der "Promenade"

Erster Kalamaki-Urlaub – Die Autorin beim Frappe auf der „Promenade“

Anderthalb Jahre später war es dann soweit. Unser erster Urlaub in Kalamaki, eine Woche ohne Kind in der Pension auf dem Hügel. Endlich lernten wir auch die „Lilalatzhoseninhaberin“ persönlich kennen. Statt einer irgendwie bewegten Hippiedame saß eine taffe, sehr nette Businessfrau aus Hamburg im Office. Im Laufe der Jahre sind sie und ihr Mann zu unseren Freunden geworden.

Restaurant Avra 2004

Restaurant Avra 2004 – auch damals wurde oft nur die obere Terrasse bewirtschaftet

Auch in der Woche war es perfekt im Ort. Die Gastfreundlichkeit, mit der wir überall im Ort aufgenommen wurden, kannten wir aus dem Norden nicht. Am zweiten Abend haben wir uns in eine Taverne getraut, die ein bisschen schicker auf uns wirkte. Der Wirt und auch der Kellner sprachen beide gut deutsch und rasselten das Menü herunter, ohne Preise zu nennen. Wir haben einfach so bestellt und uns die ganze Zeit über gefragt, wie teuer denn der Abend würde. Und, oh Wunder, der Abend war absolut preiswert und obendrauf gab es noch Wein, Raki und Nachtisch vom Haus. So zog sich die Woche dann durch. Tagsüber nette Orte entdecken und abends sehr günstig wahnsinnig lecker essen, dabei tolle Musik hören und gute Gespräche mit Einheimischen und Mitgästen führen. Wir waren begeistert und beschlossen, nie wieder pauschal zu buchen.

Das Finikas in Kalamaki im Jahre 2004

Das Finikas in Kalamaki im Jahre 2004

Im Sommer sind wir dann mit unserem Sohn wiedergekommen. Das Finikas hatte frisch eröffnet und wir haben dort 3 wundervolle Wochen verbracht. Da wir ja schon zum zweiten Mal da waren, kannte man uns im Ort natürlich auch mit Namen und es war sofort ein heimeliges Gefühl von „nach Hause kommen“ da. Auch für unseren Sohn war es das Paradies. Dadurch, dass der Ort so überschaubar war, konnte man sich auch mal für einige Stunden trennen. Wir haben unser Ding gemacht, und er seins, zusammen mit einer großen Clique netter Kinder. Die Kinder konnten sogar alleine in der Taverne essen, die Wirte wussten ja, dass wir es abends mitbezahlen würden. Das war eine Freiheit, die man mit einem AI-Bändchen am Arm niemals erreichen konnte.

Finikas 2004 - der Blick von unserem geliebten Balkon

Finikas 2004 – der Blick von unserem geliebten Balkon

So ist unsere Liebe zu Kalamaki und den anderen, netten kleinen Orten in der Messará entstanden und wir möchten die ganzen positiven, persönlichen Erfahrungen und lieben Menschen, die wir im Laufe der Jahre dort kennengelernt haben, auf keinen Fall missen.

Also traut euch einfach, Kreta individuell und ohne Veranstalter samt AI-Hotel zu bereisen. Es lohnt sich.

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